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In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der Harz von einem dichten Eisenbahnnetz erschlossen. Die meisten dieser Strecken waren Stichbahnen, die von allen Seiten in die Täler des Harzes hineinführten. Sie mußten dabei erhebliche Höhenunterschiede überwinden und waren teilweise in Schmalspur ausgeführt, da man so die geländebedingten Schwierigkeiten in Bau und Betrieb am wirtschaftlichsten meistern konnte.
Mit der Zunahme des Individualverkehrs und dem damiteinhergehenden großzügigen Ausbau des Straßennetzes verschwanden bis etwa 1980 alle Eisenbahnstrecken aus dem Westharz; der öffentliche Personenverkehr wird heute ausschließlich mit Bussen abgewickelt.
Ganz anders sieht es im Ostharz aus. Dort sind die meisten Eisenbahnstrecken noch in Betrieb und erfreuen sich eines regen Personenund Güterverkehrs. Deshalb kann man auch beim Wandern voll auf die Eisenbahn als funktionierendes Nahverkehrsmittel setzen.
Darüber hinaus sind die Eisenbahnen des Ostharzes eine Attraktion für Eisenbahnfreunde geworden, weil ihre Fahrzeuge teilweise erheblich von dem gewohnten Anblick der Hauptstrecken abweichen. So werden die Züge der Harzer Schmalspurbahnen heute noch im planmäßigen Dienst überwiegend von Dampflokomotiven geführt; Prototypen neuer Dieselloks sind erst in der Erprobung. Auf Bergfahrt erfüllen sie die Harztäler unüberhörbar mit ihren rhythmischen Auspuffschlägen und dem tiefen Heulen ihrer Dampfpfeifen. Die Reisezugwagen stammen aus den Jahren um 1930, wurden aber inzwischen rekonstruiert. Güterwagen werden meist von den Regelspurstrecken der Deutschen Bahn AG übernommen und in den Übergangsbahnhöfen auf schmalspurige Rollwagen gesetzt.
Neben den regulären Reisezügen werden Traditionszüge gefahren, die aus originalgetreu restaurierten Fahrzeugen bestehen und von über 90 Jahre alten Mallet-Dampfloks geführt werden.
Die Harzquer- und Brockenbahn
Seit 1899 verbindet die schmalspurige Harzquerbahn Nordhausen mit Wernigerode. Die rotgelben Züge benötigen für die 61 km lange Strecke über den Harz etwa drei Stunden. Sie überwinden dabei einen Höhenunterschied von mehr als 350 m und erschließen unter anderem Ilfeld, Benneckenstein, Sorge und Elend. Im Bahnhof Eisfelder Talmühle zweigt die Seitenstrecke nach Hasselfelde ab, die in Stiege Anschluß an die Selketalbahn hat.
In Drei Annen Hohne, am höchstgelegenen Bahnhof der Harzquerbahn, biegt eine weitere Streckenverbindung der Harzer Schmalspurbahnen ab, die seit Juli 1992 wieder betriebsfähig ist. Sie führt durch den Nationalpark Hochharz (Sachsen-Anhalt) über Schierke bis hinauf zum Brokken, die Endstation der Bergbahn.
Selketalbahn
Die Selketalbahn ist die älteste Schmalspurbahn (1 m Spurbreite) des Harzes. Das erste Teilstück von Gernrode bis Mägdesprung wurde bereits am 7. B. 1887 eröffnet.
Auch wenn die Selketalbahn nicht so steile Gebirgshänge überquert wie die Harzquerbahn, weniger romantisch oder abenteuerlich ist sie deswegen noch lange nicht.
Die 44 km lange Strecke führt durch eine der schönsten und abwechslungsreichsten Landschaften des Harzes. Durch liebliche Täler, vorbei an bunten Wiesen und verträumten Dörfern.
An Teichen und bewaldeten Hängen (besonders reizvoll auch im schneebedeckten Winterkleid) geht es durch tiefe dunkle Wälder und entlang an steilen Felshängen, über Brücken und Bäche bis zu der mit weiten Wiesen und Feldern bedeckten Hochfläche von Stiege.
Weiter, etwas talabwärts, führt die Strecke der Selketalbahn durch eine reizvolle Landschaft bis sie nach ca. 20 min. Fahrzeit ihren Zielbahnhof Hasselfelde erreicht.
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